Kfz-Flottenversicherung für Pflegedienste: Worauf es wirklich ankommt

Wer einen ambulanten Pflegedienst führt, braucht Fahrzeuge.

Oft nicht eines oder zwei, sondern einen ganzen Fuhrpark. Jeden Morgen starten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ihren Touren, Fahrzeuge werden getauscht, neue kommen hinzu, andere werden verkauft oder geleast. Und fast immer gilt:

Wenn ein Fahrzeug fehlt, fehlt nicht einfach nur ein Auto. Es kann eine komplette Pflegetour fehlen.

Trotzdem wird die Kfz-Versicherung eines Pflegedienstes häufig noch nach einer erstaunlich einfachen Frage beurteilt:

„Was kostet uns die Flotte im Jahr?“

Natürlich ist der Beitrag wichtig.

Aber bei einem Pflegefuhrpark ist er nur ein Teil der Rechnung.

Pflegekraft vor einem Dienstfahrzeug mit Unterlagen zur Kfz-Flottenversicherung eines ambulanten Pflegedienstes
Eine gute Kfz-Flottenversicherung für Pflegedienste muss nicht nur günstig sein, sondern zum tatsächlichen Einsatz, Schadenverlauf und Fuhrpark passen.

Was ist überhaupt eine Flottenversicherung?

Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist für in Deutschland versicherungspflichtige Fahrzeuge gesetzlich vorgeschrieben. Sie dient dazu, durch den Gebrauch des Fahrzeugs verursachte Personen-, Sach- und sonstige Vermögensschäden gegenüber Dritten abzusichern.

Teil- und Vollkaskoversicherung schützen dagegen – abhängig vom vereinbarten Umfang – das eigene Fahrzeug.

Wer mehrere Firmenfahrzeuge besitzt, kann diese häufig über ein Flotten- oder Fuhrparkkonzept zusammenfassen.

Das kann die Verwaltung vereinfachen und je nach Versicherer und Fuhrparkgröße andere Kalkulationsmodelle ermöglichen. Allerdings unterscheiden sich diese Modelle erheblich. Einige Versicherer bieten Kleinflottenlösungen bereits ab wenigen Fahrzeugen an, während andere für bestimmte Fuhrparkmodelle zehn, elf oder noch mehr Fahrzeuge voraussetzen.

Deshalb gibt es auf die häufige Frage

„Ab wie vielen Fahrzeugen brauche ich eine Flottenversicherung?“

keine allgemeingültige Antwort.

Die bessere Frage lautet:

Welches Versicherungsmodell passt zu meinem Fuhrpark?

Warum ambulante Pflegedienste besondere Anforderungen haben

Ein Pflegefuhrpark unterscheidet sich in seiner täglichen Nutzung deutlich von einem Unternehmen, dessen Firmenfahrzeuge überwiegend von einem festen Außendienstmitarbeiter gefahren werden.

In ambulanten Pflegediensten treffen häufig mehrere Besonderheiten aufeinander:

  • viele einzelne Fahrten pro Tag,

  • häufig kurze Strecken,

  • wechselnde Fahrer,

  • häufiges Ein- und Aussteigen,

  • enge Tourenpläne,

  • Stadtverkehr und Parkplatzsuche,

  • regelmäßig wechselnde Fahrzeuge,

  • und ein hoher organisatorischer Druck, wenn ein Fahrzeug ausfällt.

Das bedeutet nicht automatisch, dass jeder Pflegedienst eine schlechte Schadenquote haben muss.

Es bedeutet aber, dass eine Flottenversicherung zum tatsächlichen Betrieb passen muss – und nicht nur zu Anzahl und Typ der Fahrzeuge.

1. Nicht nur den Jahresbeitrag vergleichen

Zwei Angebote über beispielsweise 15 Fahrzeuge können auf den ersten Blick ähnlich aussehen und trotzdem völlig unterschiedliche wirtschaftliche Konsequenzen haben.

Deshalb sollte ein Vergleich nicht bei der letzten Zeile des Angebots enden.

Zu prüfen sind unter anderem:

Welche Selbstbeteiligungen gelten?

500 Euro Vollkasko-Selbstbeteiligung können sinnvoll sein. 1.000 Euro vielleicht ebenfalls. Bei einem Fuhrpark mit vielen kleineren Schäden kann die richtige Höhe der Selbstbeteiligung erheblichen Einfluss auf Beitrag und Schadenverlauf haben.

Welche Fahrzeuge bekommen Vollkasko?

Ein neuer geleaster Pkw stellt eine andere wirtschaftliche Größenordnung dar als ein älteres, vollständig abgeschriebenes Fahrzeug.

Welche Zusatzleistungen sind enthalten?

Je nach Anbieter können beispielsweise GAP-Deckung für Leasing- oder Finanzierungsfahrzeuge, Fahrerschutz, Schutzbriefleistungen, Ersatzfahrzeuge oder weitere Bausteine angeboten werden. Welche davon enthalten oder optional sind, unterscheidet sich erheblich.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht:

„Welcher Versicherer ist am billigsten?“

Sondern:

„Welche Risiken übernehme ich selbst – und welche möchte ich auf den Versicherer übertragen?“

2. Schadenquote und Schadenhäufigkeit gehören von Anfang an auf den Tisch

Bei einem Pflegefuhrpark können viele kleine Schäden mindestens genauso interessant werden wie ein einzelner großer Unfall.

Parkrempler. Außenspiegel. Stoßfänger. Rangierschaden.

Jeder einzelne Schaden wirkt zunächst überschaubar.

In der Summe entsteht daraus aber ein Schadenverlauf, auf dessen Grundlage Versicherer einen Fuhrpark beurteilen und kalkulieren können. Bei Flottenmodellen kann der Schadenverlauf des gesamten Bestands oder einer Fahrzeuggruppe Einfluss auf die zukünftige Prämie haben. Allianz beschreibt beispielsweise sowohl verlaufsabhängige Modelle als auch Stückpreismodelle, bei denen Beiträge abhängig vom Schadenverlauf angepasst werden können.

Deshalb gehört für uns zur Beratung nicht nur:

„Was kostet der neue Vertrag?“

sondern auch:

„Warum kostet der alte inzwischen so viel?“

Wer fünf Jahre Schadenhistorie betrachtet, erkennt manchmal Muster:

Sind es überwiegend Rangierschäden?

Trifft es bestimmte Fahrzeugarten?

Entstehen viele Schäden unterhalb einer bestimmten Höhe?

Lohnt es sich, bestimmte Kleinschäden künftig selbst zu tragen?

Ist die Selbstbeteiligung noch richtig gewählt?

Genau an dieser Stelle wird aus einer Versicherungsfrage eine betriebswirtschaftliche Frage.

3. Die richtige Selbstbeteiligung ist kein Detail

Eine niedrige Selbstbeteiligung klingt zunächst attraktiv.

Schließlich übernimmt der Versicherer dann auch kleinere Schäden.

Das kann bei einem schadenintensiven Fuhrpark aber dazu führen, dass sehr viele kleine Kaskoschäden beim Versicherer landen.

Andererseits hilft eine sehr hohe Selbstbeteiligung ebenfalls wenig, wenn der Pflegedienst anschließend fast jeden Schaden selbst bezahlt und dafür keine ausreichenden Rückstellungen eingeplant hat.

Die passende Selbstbeteiligung ist deshalb keine Zahl, die man einmal auswählt und anschließend vergisst.

Sie sollte zur

Fuhrparkgröße, Schadenhistorie, Liquidität und eigenen Risikobereitschaft

passen.

4. Wer darf die Fahrzeuge fahren?

Im ambulanten Pflegedienst ist der Fahrerkreis häufig deutlich größer als bei einem klassischen Firmenwagen.

Heute fährt Mitarbeiterin A das Fahrzeug, morgen Mitarbeiter B und nachmittags übernimmt möglicherweise noch eine dritte Person die Tour.

Deshalb sollte geklärt werden, welche Fahrer laut Vertrag zulässig sind und ob das Versicherungsmodell diese tatsächliche Nutzung problemlos abbildet.

Flottenmodelle können hierbei Erleichterungen bieten. Beispielsweise beschreibt die Allianz bei bestimmten Fuhrparkmodellen keine Einschränkung nach Fahrerkreis oder Kilometerleistung. Das darf aber nicht einfach auf jeden Versicherer und jeden Tarif übertragen werden.

Entscheidend ist immer der konkrete Vertrag.

5. Was passiert mit neuen und ausgemusterten Fahrzeugen?

Pflegefuhrparks verändern sich.

Ein Leasingvertrag endet. Ein neuer Kleinwagen kommt hinzu. Ein Fahrzeug hat einen Totalschaden. Der Pflegedienst eröffnet eine weitere Tour oder einen neuen Standort.

Eine gute Flottenlösung sollte solche Veränderungen möglichst unkompliziert abbilden.

Je nach Modell können neu hinzukommende Fahrzeuge beispielsweise über einen einheitlichen Beitragssatz, eine durchschnittliche Schadenfreiheitsklasse oder einen festen Stückpreis eingestuft werden. Auch hier unterscheiden sich die Konzepte der Anbieter deutlich.

Gerade bei wachsenden Pflegediensten ist deshalb die Verwaltungslogik des Vertrages nicht unwichtig.

Denn niemand möchte bei jedem neuen Kleinwagen das Versicherungskonzept neu erfinden.

6. Leasingfahrzeuge brauchen einen zweiten Blick

Viele Pflegefahrzeuge werden geleast oder finanziert.

Bei einem Totalschaden kann dann die Entschädigung aus der Kaskoversicherung unter Umständen nicht ausreichen, um den noch offenen Leasing- oder Finanzierungsbetrag vollständig auszugleichen.

Genau dafür gibt es sogenannte GAP- oder Differenzdeckungen. Solche Bausteine werden von verschiedenen Flottenversicherern angeboten, allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Leistungsumfängen.

Bei geleasten Fahrzeugen gehört deshalb für uns die Frage

„Ist eine GAP-Deckung vorhanden?“

auf die Checkliste.

7. Das wichtigste Fahrzeug ist manchmal der Fahrer

Eine gute Kfz-Flottenversicherung sollte nicht nur auf Blech und Kunststoff reduziert werden.

Pflegekräfte verbringen einen erheblichen Teil ihres Arbeitstages im Straßenverkehr.

Verursacht ein Mitarbeiter selbst einen schweren Unfall, ist der Schaden am Auto nur ein Teil des Problems.

Deshalb gehört aus unserer Sicht auch die Frage nach einem Fahrerschutz in die Betrachtung eines Pflegefuhrparks.

Die allgemeinen Musterbedingungen für Kfz-Versicherungen führen Fahrerschutz als eigenständigen möglichen Versicherungsbaustein neben Haftpflicht, Kasko und Schutzbrief auf. Ob und mit welchen Leistungen er tatsächlich vereinbart ist, ergibt sich jedoch aus dem konkreten Vertrag.

Für uns ist das nicht nur eine Versicherungsfrage.

Es ist auch eine Frage der Mitarbeiterfürsorge.

8. Und was passiert, wenn plötzlich gar kein Dienstwagen verfügbar ist?

Auch diese Situation kennen viele Pflegedienste:

Ein Fahrzeug steht in der Werkstatt.

Die Tour muss trotzdem gefahren werden.

Also sagt eine Mitarbeiterin:

„Dann nehme ich heute einfach mein eigenes Auto.“

Damit verlassen wir allerdings die klassische Flottenversicherung.

Denn plötzlich geht es um den privaten Pkw eines Mitarbeiters, seine Kaskoversicherung, eine mögliche Selbstbeteiligung, Rückstufung, Ersatzmobilität und gegebenenfalls um die Frage, welche Verantwortung der Arbeitgeber für einen während der Dienstfahrt entstandenen Schaden trägt.

Für solche Situationen gibt es gesonderte Absicherungsmöglichkeiten – unter anderem die Dienstreisekasko.

Das behandeln wir deshalb in einem eigenen Beitrag.

9. Ein guter Fuhrparkvertrag muss auch nach drei schlechten Schadenjahren noch funktionieren

Eine Flottenversicherung ist kein Wettbewerb darum, wer für das kommende Jahr den niedrigsten Beitrag ausdruckt.

Ein Vertrag muss auch dann noch funktionieren, wenn die Schadenentwicklung einmal ungünstig verläuft.

Deshalb lohnt der Blick auf:

  • die bisherige Schadenhistorie,

  • die Kalkulationsart des Vertrages,

  • Selbstbeteiligungen,

  • Schadenmanagement,

  • mögliche Sanierungsmaßnahmen,

  • und die Frage, wie der Versicherer auf eine ungünstige Entwicklung reagiert.

Gerade hier trennt sich häufig der reine Preisvergleich von einer langfristigen Fuhrparkstrategie.

Unsere Empfehlung für ambulante Pflegedienste

Bevor Sie Ihre Kfz-Flotte neu ausschreiben, sollten Sie nicht nur die Fahrzeugliste an mehrere Versicherer schicken.

Schauen Sie vorher auf Ihren Betrieb.

Wie viele Fahrzeuge haben Sie?

Wie alt sind sie?

Welche sind geleast oder finanziert?

Wer fährt?

Wie häufig wechseln Fahrzeuge?

Welche Schäden hatten Sie in den vergangenen Jahren?

Wie hoch waren diese Schäden?

Welche Selbstbeteiligungen haben Sie bislang?

Welche Schäden hätten Sie möglicherweise besser selbst getragen?

Welche Leistungen sind Ihnen für Ihre Mitarbeiter wichtig?

Und wie schnell müssen Sie nach einem Schaden wieder mobil sein?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich sinnvoll beurteilen, welches Flottenmodell zu Ihrem Pflegedienst passt.

Flottenversicherung ist mehr als ein Preis pro Fahrzeug

Eine gute Kfz-Flottenversicherung muss drei Dinge zusammenbringen:

Versicherungsschutz, Wirtschaftlichkeit und den tatsächlichen Pflegealltag.

Genau deshalb schauen wir bei FLIXMAKLER nicht nur darauf, was ein Versicherer für Ihre Fahrzeuge verlangt.

Wir schauen darauf, wie Ihr Fuhrpark funktioniert, wo Ihre Schäden entstehen und welche Risiken Sie tatsächlich absichern möchten.

Denn am Ende geht es nicht nur darum, Autos zu versichern.

Es geht darum, dass Ihre Pflegekräfte morgen wieder zu ihren Patienten kommen.

Sie möchten Ihren Pflegefuhrpark überprüfen lassen?

Wenn Sie wissen möchten, ob Ihr bestehendes Flottenkonzept noch zu Ihrem Pflegedienst passt, können wir uns Beitrag, Schadenverlauf, Selbstbeteiligungen und Absicherung gemeinsam ansehen.

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