Kfz-Versicherung wird teurer – selber schuld?

Zum Jahreswechsel kommt bei vielen Autofahrern wieder der Moment, in dem sie ihre neue Beitragsrechnung für die Kfz-Versicherung öffnen. Und nicht selten lautet die erste Reaktion: Schon wieder teurer?

Die Zahlen zeigen tatsächlich eine deutliche Entwicklung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Preise für Kfz-Versicherungen im Jahr 2025 63 Prozent höher als 2020. Gleichzeitig sind Reparaturen, Inspektionen und ähnliche Leistungen in diesem Zeitraum um 34,5 Prozent teurer geworden. Selbst Neuwagen einschließlich Wohnmobilen kosteten 2025 knapp 24 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor.

Natürlich gibt es dafür viele Gründe. Aber einen Teil der Kosten produzieren wir möglicherweise auch selbst.

Illustration zu steigenden Kosten der Kfz-Versicherung durch Reparaturen, Gutachter und Schadenabwicklung
Wenn aus einem kleinen Kfz-Schaden hohe Kosten werden: Reparaturen und zusätzliche Schadennebenkosten treiben die Ausgaben der Kfz-Versicherer nach oben.

Reparaturen werden immer teurer

Ein Blick in die Werkstätten zeigt, wo ein großer Teil des Problems liegt. 2024 kostete eine Arbeitsstunde für Mechanik, Elektrik oder Karosserie im Durchschnitt bereits 202 Euro, Lackierarbeiten sogar 220 Euro. Seit 2017 sind die Stundensätze damit um rund 50 Prozent gestiegen – deutlich stärker als die allgemeine Inflation.

Auch Ersatzteile verteuern sich massiv. Nach GDV-Angaben sind deren Preise seit 2015 um mehr als 80 Prozent gestiegen.

Moderne Fahrzeuge machen die Sache nicht einfacher. Sensoren, Kameras und Assistenzsysteme erhöhen zwar die Sicherheit, können Reparaturen aber aufwendiger und damit teurer machen.

Das alles landet früher oder später in der Schadenstatistik – und damit letztlich auch in unseren Versicherungsbeiträgen.

Doch es gibt noch einen anderen Kostentreiber.

Ein Schaden von 1.500 Euro – und mehr als 3.000 Euro Nebenkosten

Ein aktueller Fall aus unserer Praxis zeigt sehr schön, was wir damit meinen.

Einer unserer Kunden wurde im europäischen Ausland unverschuldet in einen Verkehrsunfall verwickelt. Der Unfallgegner fuhr ein in Italien zugelassenes Fahrzeug.

Solche Fälle sind etwas komplizierter als ein gewöhnlicher Haftpflichtschaden in Deutschland. Für internationale Kfz-Haftpflichtfälle gibt es das Grüne-Karte-System. Das Deutsche Büro Grüne Karte ist in Deutschland für die Abwicklung entsprechender Autohaftpflichtfälle zuständig.

Unsere Empfehlung an den Kunden war zunächst denkbar einfach: Fahr in deine Werkstatt und lass einen Kostenvoranschlag erstellen.

Damit hätten wir als Versicherungsmakler die weitere Kommunikation und Schadenabwicklung begleiten können.

Dann nahm der Fall allerdings eine andere Richtung.

„Da brauchst du unbedingt ein Gutachten.“

Die Werkstatt stellte fest, dass es sich um ein Leasingfahrzeug handelte und der Unfall im Ausland passiert war. Dem Kunden wurde daraufhin zu einem Gutachten geraten.

Kostenpunkt: rund 1.500 Euro.

Zusätzlich wurde ein Rechtsanwalt eingeschaltet. Noch einmal Kosten in einer ähnlichen Größenordnung.

Grundsätzlich kann es bei einem unverschuldeten Haftpflichtschaden selbstverständlich sinnvoll und berechtigt sein, einen Sachverständigen oder Rechtsanwalt einzuschalten. Entscheidend ist aber die Frage:

Ist das im konkreten Schadenfall wirklich erforderlich?

Denn der eigentliche Fahrzeugschaden unseres Kunden liegt ebenfalls nur bei ungefähr 1.500 Euro.

Damit stehen einem Schaden von rund 1.500 Euro inzwischen mehr als 3.000 Euro Kosten für Gutachter und Rechtsanwalt gegenüber.

Viel Geld – aber wer erledigt eigentlich die Arbeit?

Besonders ärgerlich wurde der Fall, als Unterlagen des Büros Grüne Karte beantwortet werden mussten.

Da inzwischen ein Rechtsanwalt eingeschaltet war, konnten wir die Schadenabwicklung nicht einfach wie ursprünglich vorgesehen übernehmen. Das Schreiben wurde vom Anwaltsbüro an unseren Kunden weitergeleitet – verbunden mit dem Hinweis, dass er die benötigten Informationen und Unterlagen selbst zusammenstellen und einreichen solle.

Der Kunde lud das Schreiben daraufhin bei uns hoch.

Unsere digitale Schadenunterstützung analysierte das Dokument, erfasste die benötigten Angaben und erstellte daraus direkt einen passenden Antwortentwurf. Der Kunde musste das Schreiben im Wesentlichen nur noch prüfen und versenden.

Zusätzliche Kosten dafür: keine.

Und genau an diesem Punkt darf man sich die Frage stellen, ob Schadenregulierung nicht manchmal unnötig teuer gemacht wird.

Nicht jede zusätzliche Leistung ist automatisch notwendig

Uns begegnet zunehmend, dass rund um einen Kfz-Schaden sehr schnell weitere Dienstleister eingeschaltet werden. Gutachter, Rechtsanwälte und andere Beteiligte können absolut notwendig und wertvoll sein.

Aber eben nicht automatisch bei jedem Schaden.

Auch Werkstätten wickeln Schäden teilweise bevorzugt über Rechtsanwälte oder andere Dienstleister ab. Dadurch entstehen zusätzliche Kosten, die am Ende jemand bezahlen muss.

Und dieses Geld kommt nicht aus dem Nichts.

Versicherungen kalkulieren ihre Beiträge anhand ihrer Schadenaufwendungen. Werden Reparaturen, Ersatzteile und Arbeitsstunden teurer und steigen zusätzlich die Kosten rund um die Schadenregulierung, erhöht das den Druck auf die Beiträge.

2024 kostete ein durchschnittlicher Pkw-Sachschaden in der Kfz-Haftpflicht laut GDV bereits rund 4.250 Euro. 2017 waren es noch etwa 2.700 Euro – ein Anstieg von fast 60 Prozent.

Kfz-Versicherung vergleichen ist wichtig – Schadenkosten im Blick behalten aber auch

Natürlich solltest du regelmäßig deine Kfz-Versicherung vergleichen. Tarif, Leistungen, Selbstbeteiligung und Versicherer können einen erheblichen Unterschied beim Beitrag machen.

Aber vielleicht sollten wir bei der nächsten Beitragserhöhung nicht ausschließlich auf „die Versicherungen“ zeigen.

Steigende Fahrzeugpreise, teure Ersatzteile und höhere Werkstattkosten können wir als einzelne Autofahrer kaum beeinflussen. Unnötige Kosten bei der Schadenabwicklung dagegen manchmal schon.

Unser Rat deshalb: Nach einem Unfall nicht vorschnell alles beauftragen, was dir angeboten wird. Erst prüfen, was für deinen konkreten Schaden tatsächlich erforderlich und sinnvoll ist.

Manchmal reicht eben ein Kostenvoranschlag.

Und manchmal ist guter Rat deutlich günstiger als eine lange Rechnung.

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