Wohngebäudeversicherung 2027: Warum die Beiträge erneut steigen

Wer ein eigenes Haus besitzt, wird es vermutlich auf der Beitragsrechnung für 2027 bemerken: Die Wohngebäudeversicherung wird bei vielen Verträgen erneut teurer.

Schnell entsteht dabei der Eindruck: „Schon wieder erhöht die Versicherung ihre Preise.“

Doch zumindest ein Teil dieser Erhöhung hat einen ganz anderen Hintergrund. Die Kosten dafür, ein beschädigtes Haus zu reparieren oder nach einem Totalschaden neu aufzubauen, steigen weiter. Und genau diese Kosten muss eine Wohngebäudeversicherung im Ernstfall bezahlen können.

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Auch 2027 werden die Prämien steigen, leider

Die neuen Indexzahlen für die Wohngebäudeversicherung 2027

Zum 1. Januar 2027 gelten neue Werte für die Berechnung von Versicherungssummen und Beiträgen:

  • Baupreisindex für Neubauten: 2.377,1
  • Mittlerer Baupreisindex 2025: 2.268,3
  • Gleitender Neuwertfaktor: 29,1
  • Anpassungsfaktor: 28,95
  • Prämienfaktor: 29,2

Welche Kennzahl konkret angewendet wird, hängt vom jeweiligen Versicherungsvertrag und den zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen ab.

Besonders interessant ist der Anpassungsfaktor: 2026 lag dieser noch bei 27,63. Für 2027 steigt er auf 28,95 – eine Erhöhung um rund 4,8 Prozent.

Aber warum eigentlich?

Bauen und Reparieren werden weiter teurer

Die Antwort liefert ein Blick auf die tatsächlichen Baukosten.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Preise für den Neubau konventionell gefertigter Wohngebäude in Deutschland im Mai 2026 gegenüber Mai 2025 um 5,0 Prozent gestiegen. Rohbauarbeiten verteuerten sich um 4,9 Prozent, Ausbauarbeiten sogar um 5,1 Prozent.

Das ist für die Wohngebäudeversicherung entscheidend.

Denn nach einem versicherten Schaden bezahlt der Versicherer nicht die Baupreise von vor zehn oder zwanzig Jahren. Ein zerstörtes Dach, eine beschädigte Fassade oder im schlimmsten Fall ein komplettes Gebäude muss zu heutigen Preisen repariert oder wieder aufgebaut werden.

Steigen diese Kosten, steigen zwangsläufig auch die möglichen Schadenaufwendungen der Versicherer.

Material ist nur ein Teil der Rechnung

Bei steigenden Baukosten denken viele zunächst an Holz, Stahl, Beton, Dämmstoffe oder andere Baustoffe. Material- und Rohstoffpreise spielen tatsächlich eine wichtige Rolle.

Hinzu kommen aber die Personalkosten.

Der gesetzliche Mindestlohn liegt 2026 bei 13,90 Euro pro Stunde und steigt zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro. Auch darüber hinaus haben sich Löhne und Gehälter im Bau- und Handwerksbereich verändert.

Genau deshalb berücksichtigt die Berechnung des Anpassungsfaktors nicht ausschließlich die Material- und Baupreise. Vereinfacht gesagt fließen zu 80 Prozent die Entwicklung der Baupreise und zu 20 Prozent die Entwicklung der Tariflöhne im Baugewerbe ein.

Steigen die Kosten für Handwerker, Material und Bauleistungen, wird also auch die Wiederherstellung eines versicherten Gebäudes teurer.

Warum wird meine Versicherung automatisch angepasst?

Die jährliche Anpassung hat einen wichtigen Zweck: Sie soll eine schleichende Unterversicherung verhindern.

Ein einfaches Beispiel:

Angenommen, ein Gebäude konnte vor einigen Jahren für 400.000 Euro neu errichtet werden. Wenn ein vergleichbarer Wiederaufbau heute aufgrund gestiegener Bau-, Material- und Lohnkosten 500.000 Euro kostet, würde eine unveränderte Versicherungssumme im schlimmsten Fall nicht mehr ausreichen.

Genau hier setzt die gleitende Neuwertversicherung an.

Versicherungsschutz und Beitrag werden regelmäßig an die Kostenentwicklung angepasst. Das ist zunächst unangenehm, weil dadurch der Beitrag steigt. Im Schadenfall ist diese Anpassung aber enorm wichtig: Schließlich soll die Versicherung nicht den historischen Wert eines Hauses ersetzen, sondern einen Wiederaufbau zu den dann aktuellen Preisen ermöglichen.

Verdienen Versicherer an der Wohngebäudeversicherung besonders viel?

Gerade bei Beitragserhöhungen hören wir immer wieder sinngemäß:

„Die Versicherungen wollen doch einfach nur mehr verdienen.“

Ein Blick auf die langfristigen Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeichnet allerdings ein anderes Bild.

Eine wichtige Kennzahl ist die sogenannte Combined Ratio, also die Schaden-Kosten-Quote. Sie stellt vereinfacht die Aufwendungen für Schäden und Kosten den Beitragseinnahmen gegenüber.

Liegt sie über 100 Prozent, reichen die entsprechenden Beitragseinnahmen rechnerisch nicht aus, um Schäden und Kosten zu decken.

Und genau das kam in der Wohngebäudeversicherung erstaunlich häufig vor.

Zwischen 2005 und 2024 lag die Combined Ratio der verbundenen Wohngebäudeversicherung nach den veröffentlichten GDV-Zahlen in 14 von 20 Jahren bei mindestens 100 Prozent.

Einige Beispiele:

  • 2007: 133,8 %
  • 2010: 112,2 %
  • 2013: 134,7 %
  • 2018: 104,2 %
  • 2021: 139,2 %
  • 2022: 106,4 %
  • 2023: 103,3 %
  • 2024: 99,6 %

Gerade das Katastrophenjahr 2021 zeigt, wie stark einzelne Ereignisse die Wohngebäudeversicherer treffen können.

Von einer Sparte, mit der Versicherer Jahr für Jahr hohe versicherungstechnische Gewinne erzielen, kann bei diesem langfristigen Bild also kaum die Rede sein.

Höhere Beiträge sind ärgerlich – aber der Versicherungsschutz muss mitwachsen

Natürlich hilft all das zunächst wenig, wenn auf der eigenen Rechnung plötzlich ein höherer Beitrag steht. Niemand freut sich über steigende Versicherungskosten.

Trotzdem lohnt sich der Blick auf die andere Seite:

Was würde passieren, wenn die Versicherungssummen und Beiträge trotz steigender Baukosten einfach unverändert blieben?

Dann könnte der Versicherungsschutz zunehmend hinter den tatsächlichen Wiederaufbaukosten zurückbleiben. Gerade bei einem großen Brand-, Sturm-, Leitungswasser- oder Elementarschaden wäre das problematisch.

Die regelmäßige Anpassung ist deshalb nicht nur eine Beitragserhöhung. Sie sorgt gleichzeitig dafür, dass der versicherte Gebäudewert mit der tatsächlichen Kostenentwicklung Schritt hält.

Trotzdem lohnt sich ein Vergleich der Wohngebäudeversicherung

Wichtig ist allerdings: Nicht jede Beitragserhöhung lässt sich ausschließlich mit dem Index erklären.

Versicherer können zusätzlich ihre Tarife beziehungsweise Beitragssätze anpassen. Außerdem unterscheiden sich Wohngebäudeversicherungen erheblich bei Leistungen, Selbstbeteiligungen, Elementarschutz und Preis.

Deshalb sollte die Reaktion auf eine höhere Rechnung nicht automatisch lauten: „Ich nehme jetzt einfach den billigsten Anbieter.“

Viel sinnvoller ist die Frage:

Bekomme ich für meinen Beitrag noch einen guten und zeitgemäßen Versicherungsschutz?

Wir prüfen Wohngebäudeversicherungen deshalb nicht nur nach dem Preis. Entscheidend ist das Verhältnis aus Beitrag, Leistungen und tatsächlichem Risiko des Gebäudes.

Fazit: Die Wohngebäudeversicherung wird 2027 teurer – und dafür gibt es nachvollziehbare Gründe

Die Indexzahlen für 2027 zeigen erneut nach oben. Der Anpassungsfaktor steigt von 27,63 auf 28,95. Gleichzeitig sind die Baupreise zuletzt deutlich gestiegen und auch die Lohnkosten entwickeln sich weiter nach oben.

Für Hausbesitzer bedeutet das bei vielen Verträgen: Der Beitrag zur Wohngebäudeversicherung steigt 2027 erneut.

Das ist ärgerlich, aber nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass sich Versicherer an ihren Kunden bereichern. Die langfristigen GDV-Zahlen zeigen vielmehr, dass die Wohngebäudeversicherung für die Branche über viele Jahre eine wirtschaftlich schwierige Sparte war.

Wer eine Beitragserhöhung erhält, sollte deshalb weder blind akzeptieren noch vorschnell kündigen.

Besser: Vertrag prüfen, Leistungen vergleichen und schauen, ob Preis und Versicherungsschutz noch zusammenpassen.

Wir unterstützen dabei gerne und prüfen, ob Ihre bestehende Wohngebäudeversicherung noch zu Ihrem Haus und Ihrem tatsächlichen Absicherungsbedarf passt.

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