Warum die Wohngebäudeversicherung so teuer wird – ein Blick auf die realen Verluste der Versicherer

Warum steigen die Beiträge der Wohngebäudeversicherung? Branchenzahlen zeigen Millionen- und Milliardenverluste bei Versicherern – sachlich erklärt mit Beispielen.

Viele Kundinnen und Kunden erleben es aktuell hautnah: Die Beiträge zur Wohngebäudeversicherung steigen deutlich, teilweise Jahr für Jahr. Was dabei oft übersehen wird: Diese Anpassungen sind keine willkürliche Entscheidung einzelner Versicherer, sondern die Konsequenz massiver wirtschaftlicher Verluste in der gesamten Sparte.

Gebäudeversicherung und Preissteigerung

Ein aktueller Branchenvergleich von Versicherungsbote auf Basis des Branchenmonitors Wohngebäudeversicherung 2025 (V.E.R.S. Leipzig) zeigt, wie tief die wirtschaftlichen Spuren der vergangenen Schadenjahre tatsächlich sind.

Millionenverluste sind keine Ausnahme – sondern die Regel

Allein ein Blick auf die größten Bestandsverlierer 2024 verdeutlicht, wie angespannt die Lage ist:

  • InterRisk verzeichnet 2024 ein versicherungstechnisches Minus von −6,46 Mio. Euro, im Sechsjahresschnitt verbleibt ein Verlust von −3,36 Mio. Euro.
  • HDI Versicherung weist 2024 einen Verlust von −15,58 Mio. Euro aus, der Durchschnitt von 2019 bis 2024 liegt sogar bei −14,35 Mio. Euro.
  • Bei der Mannheimer Versicherung summieren sich die Verluste: −19,07 Mio. Euro im Jahr 2024, im Sechsjahresschnitt −12,57 Mio. Euro – bei vergleichsweise kleinen Beständen.
  • Die Nürnberger Allgemeine meldet 2024 ein Minus von −21,12 Mio. Euro, langfristig sogar −19,44 Mio. Euro im Durchschnitt.

Diese Zahlen zeigen: Selbst höhere Durchschnittsprämien oder kleinere, selektive Bestände schützen nicht automatisch vor wirtschaftlichen Verlusten.

Wenn Verluste dreistellig werden

Besonders eindrucksvoll – und für viele Kunden kaum vorstellbar – sind die Ergebnisse großer Marktteilnehmer:

  • Die AXA verbuchte 2023 ein versicherungstechnisches Minus von −134,88 Mio. Euro, 2024 liegt das Ergebnis trotz Verbesserung noch bei −56,62 Mio. Euro.
  • Die SV Gebäudeversicherung weist 2024 einen Verlust von −55,16 Mio. Euro aus – trotz eines Prämienvolumens von knapp 789 Mio. Euro.
  • Extrem wird die Dimension bei der Provinzial Versicherung:
    • −435,16 Mio. Euro im Jahr 2021
    • −150,66 Mio. Euro im Jahr 2022
      Trotz eines positiven Ergebnisses von +39,17 Mio. Euro im Jahr 2024 bleibt der Sechsjahresschnitt mit −75,69 Mio. Euro klar negativ.

Hier wird deutlich: Einzelne Extremjahre – insbesondere durch Starkregen- und Flutereignisse – wirken bis heute nach.

Positives Ergebnis durch harte Entscheidungen: Bayerische Landesbrand

Ein Sonderfall ist die Bayerische Landesbrandversicherung. Sie verzeichnet 2024 den größten Bestandsverlust der Branche mit −95.452 Verträgen, erzielt aber gleichzeitig ein positives versicherungstechnisches Ergebnis von +10,13 Mio. Euro. Auch im Sechsjahresschnitt bleibt das Ergebnis mit +17,54 Mio. Euro positiv.

Der Grund: eine sehr konsequente Beitrags- und Zeichnungspolitik. Höhere Beiträge und strenge Risikoselektion führen zwar zu Vertragsverlusten – verhindern aber rote Zahlen. Wirtschaftlich ist das erfolgreich, für Kunden jedoch oft schmerzhaft.

Fazit: Beitragserhöhungen sind die Folge – nicht die Ursache

Die Zahlen machen eines klar: Die Wohngebäudeversicherung hat über Jahre hinweg Milliardenverluste aufgebaut. Beitragserhöhungen, strengere Annahmerichtlinien und Bestandsbereinigungen sind der Versuch der Versicherer, diese Schieflage zu korrigieren.

Für Versicherungsnehmer bedeutet das:
Nicht jede Beitragserhöhung ist Ausdruck von Gier – oft ist sie schlicht notwendig, um Versicherungsschutz langfristig überhaupt anbieten zu können. Umso wichtiger ist es, Tarife regelmäßig zu prüfen und Anbieter nicht nur nach dem Preis, sondern nach Stabilität und Beitragsstrategie zu bewerten.

Quelle: Versicherungsbote, „Wohngebäudeversicherung: Die größten Bestandsverlierer 2024“, auf Basis des Branchenmonitors Wohngebäudeversicherung 2025 der V.E.R.S. Leipzig GmbH.

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